3h-Coaching-Sitzung: Endlich Zeit und doch keine Ruhe

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Dr. Heike Rompelberg

Ausgangssituation

Eine 64-jährige Frau kommt ins Coaching, nachdem sie seit ein paar Wochen im Ruhestand ist. Auf diesen Moment hat sie lange hingearbeitet und sich sehr darauf gefreut. 35 Jahre war sie in einem Unternehmen tätig. Sie begann als Buchhalterin im Debitorenmanagement und war zuletzt Abteilungsleiterin der Finanzbuchhaltung mit sechs Mitarbeitenden. Darauf ist sie stolz. Zu Recht.

Die ersten Wochen fühlten sich leicht an: Ausschlafen, kein Termindruck, freie Tage. Doch allmählich verändert sich etwas. Sie wird unruhig, rastlos, getrieben. Die Frage, wie sie ihre sogenannte „dritte Lebensphase“ gestalten soll, bleibt offen. Statt Zufriedenheit taucht ein schlechtes Gewissen auf, so als ob sie sich und anderen noch etwas beweisen müsste, ohne genau zu wissen, was.

Das Muster hinter der Rastlosigkeit

Im 3h-Coaching wird sichtbar, dass die Klientin es kaum gewohnt ist, Zufriedenheit zuzulassen. Kaum ist etwas erreicht, richtet sich der Blick auf das Nächste. Eigene Leistungen werden relativiert, Gefühle spielen nur eine untergeordnete Rolle. Funktionieren war über viele Jahre wichtiger als Innehalten.

Ein Blick in ihre Herkunftsfamilie zeigt frühe Prägungen: Anerkennung gab es vor allem für Leistung. Gute Noten wurden belohnt, Krankheit war eher verpönt. Der Vater wuchs auf einem Bauernhof auf, auf dem jeder und jede funktionieren musste. Die Klientin war die Erste in der Familie mit Abitur und Studium; trotz geringer Erwartungen an sie als Mädchen. Leistung wurde zum inneren Maßstab.

Der Engpassfaktor: Zufriedenheit als inneres Verbot

Im 3h-Coaching arbeiten wir daran, den zentralen inneren Engpass sichtbar zu machen. Ein Satz wirkt dabei besonders klärend: „Ich darf zufrieden sein.“

Mit diesem Satz wird spürbar, wie sehr die Klientin innerlich noch an alte Muster gebunden ist. Zufriedenheit fühlte sich lange nicht erlaubt an. Es war eher so als müsse sie sich und anderen dauerhaft beweisen, dass sie etwas wert ist. Mit dieser Erkenntnis stellt sich erstmals innere Ruhe ein. Das „schlechte Gewissen“ verliert an Schärfe.

Erste Schritte in eine neue Lebensphase

Am Ende der Sitzung fühlt sich die Klientin klarer und geerdeter. Der nächste Step ist erkennbar. Zufriedenheit erscheint nicht mehr als Ziel, das erreicht werden muss, sondern als innere Fähigkeit, die wieder zugänglich wird.