3h-Coaching-Sitzung: Warum kann ich nicht erfolgreich sein?

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Dr. Heike Rompelberg

Ausgangssituation

Ein 35-jähriger Mann kommt in einer beruflichen Umbruchphase in mein 3h-Coaching.

Seine Führungskraft hat ihm eine Beförderung vorgeschlagen: vom Teamleiter zum Abteilungsleiter. Fachlich bringt er alles mit, auch das Vertrauen seines Umfelds ist da. Und doch spürt er eine deutliche innere Zurückhaltung. Die Frage, die ihn beschäftigt, lautet vordergründig: „Kann ich diese Verantwortung übernehmen?“

Bereits zu Beginn wird deutlich: Diese Situation ist kein Einzelfall. Immer wieder gab es in seiner beruflichen Laufbahn Momente, in denen er den nächsten Schritt hätte gehen können. Doch statt aktiv zu entscheiden, blieb er passiv. Die Chancen zogen an ihm vorbei, ohne dass es eine bewusste Ablehnung gab. Es war eher ein inneres Ausweichen.

Der innere Engpass

Im Verlauf der 3-stündigen Sitzung richten wir den Blick auf den inneren Engpassfaktor – das Muster, das diese wiederkehrende Dynamik aufrechterhält. Mithilfe systemischer Fragen sowie achtsamkeits- und erfahrungsorientierter Elemente wird sichtbar, dass seine Zurückhaltung weniger mit der konkreten Führungsrolle zu tun hat, sondern mit einer tiefen inneren Loyalität.

In seiner Herkunftsfamilie war Erfolg lange mit Belastung verknüpft. Der Vater konnte aus gesundheitlichen Gründen seinen Wunschberuf nicht ausüben und musste sein Leben lang mit diesem Verlust umgehen. Auch die Schwester ist gesundheitlich eingeschränkt und häufig arbeitsunfähig. Unbewusst hat der Klient früh gelernt: Erfolg ist nicht selbstverständlich. Und er kann andere schmerzen.

Diese innere Bindung wirkt bis heute. Erfolg fühlt sich nicht frei an, sondern wie ein Verrat. Als im Coaching Sätze Raum bekommen wie „Ich darf erfolgreich sein“ und „Ich muss nichts wiedergutmachen“, entsteht erstmals emotionale Bewegung. Die Erkenntnis trifft einen wunden Punkt: Er hat sich selbst zurückgehalten, um nicht weiter zu gehen als seine Familie.

Eine neue innere Ordnung

Mit dieser Klarheit verändert sich etwas Wesentliches. Erfolg wird nicht länger als Abgrenzung erlebt, sondern als eigener Weg. Die innere Spannung lässt nach, der Blick wird ruhiger. Am Ende der Sitzung steht keine vorschnelle Entscheidung für oder gegen die Beförderung, sondern etwas Entscheidenderes: die Fähigkeit, überhaupt bewusst wählen zu können.

Veränderung bedeutet hier nicht, sofort einen Karriereschritt zu gehen. Sondern sich innerlich zu erlauben, den eigenen Weg nicht länger an alten Loyalitäten auszurichten. Erst dann wird Entwicklung möglich – getragen, klar und selbstbestimmt.