3h-Coaching-Sitzung: Wenn ich nicht alles im Blick behalte, geht es schief.

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Dr. Heike Rompelberg

Ausgangssituation

Ein 38-jähriger Abteilungsleiter kommt zu mir ins 3h-Coaching. Er führt ein Team von fünf Personen und beschreibt seinen Alltag als dauerhaft angespannt.

„Er könne zwar viel Delegieren, tut es aber kaum.

Sein Arbeitstag ist geprägt von administrativen Aufgaben. Strategische Themen verschiebt er immer wieder, oft in die Abendstunden oder Wochenenden. 

Die Folge: lange Tage, wenig Zeit für die Familie und das Gefühl, ständig hinterherzulaufen.

Er hat bereits verschiedene Methoden ausprobiert: Zeitmanagement-/Priorisierungs-Tools, Delegationsregeln. Kurzfristig funktionieren sie. Doch nach einigen Wochen fällt er immer wieder in das alte Muster zurück.

Im 3h-Coaching stellt sich deshalb eine andere Frage:
Was hält dieses Muster eigentlich so stabil?

Das Muster hinter der Delegationsblockade

Im Gespräch wird es still, als er von seiner Kindheit erzählt.

Als er zwölf Jahre alt ist, erkrankt sein Vater schwer. Der Familienalltag gerät ins Wanken. Vieles ist plötzlich unsicher. Niemand spricht es offen aus, aber er spürt: Jetzt darf nichts auseinanderfallen.

Hilfe von außen kommt für die Familie nicht infrage.

Also beginnt er mitzudenken, zu organisieren, Verantwortung zu übernehmen – für seine Geschwister, für Abläufe, für ein Gefühl von Stabilität im Alltag.
Nicht laut. Nicht dramatisch. Aber konstant.

In dieser Zeit sagt sein Vater einen Satz, der sich tief einprägt: 
„Wenn du willst, dass es richtig läuft, mach es selbst.“

Damals gab ihm dieser Satz Orientierung. Er wurde zu einer inneren Leitlinie.

Der Engpassfaktor: Alleinige Verantwortung übernehmen

Viele Jahre später wirkt dieser Satz noch immer – allerdings unbewusst.

Im 3h-Coaching wird klar:
Für meinen Klienten fühlt sich Delegation nicht wie Entlastung an, sondern wie Risiko.

Nicht alles im Blick zu behalten, bedeutete früher Unsicherheit.
Stabilität entstand damals, indem er selbst prüfte, selbst handelte, selbst absicherte.

Dieses Muster war einmal sinnvoll. Es hat ihm geholfen, in einer schwierigen Situation Verantwortung zu übernehmen und Halt zu schaffen.

Doch in seiner heutigen Führungsrolle führt es zu Daueranspannung.
Verantwortung bleibt – nur wird sie weiterhin allein getragen.

Der Moment, in dem sich etwas verschiebt

Im Coaching entsteht schließlich ein neuer Satz:
„Ich darf mich auf andere verlassen.“
Er spricht ihn laut aus und hält kurz inne. Zu beoachten ist, wie seine Schultern sinken und sein Atem tiefer wird.

In diesem Moment wird spürbar:
Verantwortung bleibt zwar bestehen, doch sie muss nicht mehr allein getragen werden.

Es ist kein sofortiger Wandel, jedoch ein erster innerer Perspektivwechsel: Wenn ich abgebe, entsteht Unsicherheit“ zu „Aufgaben dürfen auch in anderen Händen gut liegen.“

Erste Veränderungen

Am Ende des drei stündigen Coachings beschreibt mein Klient eine neue innere Klarheit und erste Ideen, wie er anfangen kann, seinen Mitarbeitenden Aufgaben bewusster zu übergeben. Verantwortung bleibt, doch sie liegt nicht mehr ausschließlich auf seinen Schultern.

Auch privat sieht er wieder mehr Raum. Nicht, weil sich alle äußeren Anforderungen sofort verändern. Sondern weil sich seine innere Haltung verschiebt.

Führung beginnt oft früher, als wir denken

Viele Führungsmuster entstehen nicht erst im Berufsleben. Sie haben ihre Wurzeln oft viel früher: In Erfahrungen, die damals sinnvoll und hilfreich waren.

Doch was früher Stabilität geschaffen hat, kann heute unbemerkt zu innerem Druck führen.

Gerade beim Thema Delegation zeigt sich das häufig:
Nicht mangelnde Kompetenz im Team ist das eigentliche Hindernis, sondern ein tief verankertes Verantwortungsgefühl.

Der erste Schritt zur Veränderung besteht oft darin, diese inneren Muster überhaupt zu erkennen.

Denn manchmal beginnt Entlastung mit einem neuen Satz.

„Ich darf mich auf andere verlassen.“